Der Heilige Nikolaus von Sion

Das Leben und die Reisen des Heiligen Nikolaus

Das Leben des Heiligen Nikolaus von Sion wurde höchstwahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts von einem Novizen festgehalten mit der anonymen Schrift ‘Vita Nicolae Sionitae’. Während der Autor von den Seereisen erzählt, schreibt er in ‚wir’ Form, so als ob er selber auch dabei gewesen ist. Teile der Vita, insbesondere die Wunder wurden in der spätbyzantinischen Zeit nochmals genutzt um die Legende des Heiligen Nikolaus aus Myra bezüglich seines Lebens zu erschaffen. Hieraus entwickelte sich auch die Geschichte des Weihnachtsmannes bzw. des Nikolauses.

Die Kopie der ganzen Vita sowie Teile der im 11. Jahrhundert erstellten griechischen Kopien bestehen bis heute. Gustav Anrich hat den ganzen Text im Jahre 1913 zusammengefasst. Ihor Sevcenko und Nancy Patterson haben wiederum im Jahre 1984 makellose Teile mit einer zweiten Kopie verbunden und übersetzt. M. Chronz hat im Jahre 1985 eine These über die Vita erstellt, wobei Harmut Blum diese ins Deutsche im Jahre 1997 übersetzt hat und einen Interpretationsabschnitt hinzugefügt hat.

Die Vita erzählt von der Vergangenheit seiner Familie, seinen Reisen, seinem Leben und seinem Tod; von der Gründung des heiligen Sion Klosters (es gibt keine weiteren Andeutungen bezüglich der Gründung anderer Kloster, allerdings ist der Text so geschrieben, dass er verschieden interpretiert werden kann); und es umfasst die Wunder des Nikolaus sowie andere Thematiken. Nikolaus wird mit vielen gleichnamigen Personen verwechselt. Bei uns handelt es sich um den Onkel und Lehrmeister von Nikolaus; dem später als Weihnachtsmann bzw. Nikolaus bekannten ursprünglichen Heiligen; ein aushelfender Priester sowie der Oberbischof Myra’s trug den selben Namen.

In der Vita ist festgehalten worden, dass Nikolaus Ende des 5. Jahrhunderts oder Anfangs des 6. Jahrhunderts in der Nähe des Dorfes Tragalassos, in Pharroa geboren wurde. Der Onkel und gleichzeitig im selben Dorf geborene Nikolaus, hat im Heiligen John Kloster als Obergeistlicher in Akalissos mit seinem spirituellem Vater Sabbatios zusammen gelebt. Sabbatios ist vor seinem Tod, eine Kirche auf einem Berg hell erleuchtet erschienen.

Später, nachdem der Onkel Nikolaus bereit Oberpriester war, ist erdem Erzengel Michael in der Nähe von Pharrao gelegenem Berg gefolgt, wo ihm eine Kirche, die später erbaut werden sollte, hell erleuchtet erschien. Der Engel habe ihm auch prophezeit, dass der Neffe des Onkel Nikolaus’es erwählt wurde, um hier zu leben. Der heilige Nikolaus aus Myra hat die Hauptstruktur der Apsis festgelegt und diese neue Kirche die Heilige Sion Kirche genannt und angedeutet, dass es sich um ein Abbild der Sion Kirche in Jerusalem handelt.

Nikolaos, ist als Kind von Epiphanios und Nonna auf die Welt gekommen und hatte zwei Geschwister, Artemas und Hermaios. Seine Eltern haben ihm mit seinen Onkel in Akalissos bekannt gemacht. Dieser Junge wurde von seinem Onkel ‚der Diener Gottes‘ genannt und hat ihn zur Erziehung des religiösen Lebens bei sich aufgenommen. Das Kind hat während seiner Ausbildung beim Nikolaus, den faulen Fuss einer Frau namens Nonine durch das Nachahmen des Kreuzes geheilt. Ein Teil der Schulung wurde unter der Aufsicht des Mönches Konon, der auch den Bau der Kirche überwachte, vorgenommen. Der Heilige Nikolaus von Myra hat nach Vollendung des Baus der Sion Kirche, den jungen Nikolaus zum Lektor ernannt. Mit 19Jahren erhielt er den Priesterposten.

Der Onkel von Nikolaus hat ihn zum Verantwortlichen der Kirche ernannt. Laut der Vita ‚da es keinen anderen Priester gab, hat Gott ihm die Gabe und den Glauben geschenkt für sich selbst zu kämpfen‘. Nikolaus hat daraufhin seinen Bruder Artemas zum Priester ernannt. Später dann ist sein Onkel verstorben und wurde in das Heilige John Kloster beerdigt.

Die Vita erzählt von zwei Reisen im Heiligen Land, allerdings ist die Reihenfolge nicht nachzuvollziehen. Die erste Reise kann vom Onkel Nikolaus vorgenommen sein. Der Nikolaus, der später als Weihnachtsmann bzw. Nikolaus bekannt sein wird, hat in der Heiligen Nikolaus Kirche in Myra einen Kapitän aus Ascalon getroffen. Zusammen sind sie in ein Schiff gestiegen und haben eine fünf taegige Reise in Richtung Ascalon, was nördlich des Mittelmeeres liegt, vorgenommen. Nikolaus und seine Weggefährten haben Jerusalem besucht und haben in der Saint Petersburg Kirche gebetet und haben alle weiteren heiligen Stetten bis nach Jordanien aufgesucht. Danach sind sie nach Lykien, ins Dorf Tragalassos zurückgekehrt.

Die zweite Reise ist aufgrund der vielen Wunder, die geschehen seien, viel detaillierter beschrieben worden. Nikolaus und seine Weggefährten haben ein ägyptisches Schiff am Tristomon/ Üçağız Hafen, westlich von Myra gefunden  und sind mit ihm nach Ägypten gefahren. Nikolaus habe während der Schiffsreise einen Sturm vorhergesagt und einen durch den Sturz eines Mastes erschlagenen Seemann wieder zum Leben erweckt. Desweiteren habe Nikolaus vier Tage im Heiligen Theodore Gotteshaus im Diolko Dorf verbracht und habe hier einen blinden Mann und einen ständig zitternde Person geheilt. Danach hat er seine Reise nach Ascalon weitergeführt und ist danach nach Jerusalem gegangen und hat in der Saint Petersburg Kirche und in Golthoda gebetet. Insgesamt ist er sechs Tage geblieben und hat über den Fluss Jordaniens alle heiligen Stätten und Pfarrer der Kirchen besucht. Eine Erzählung bezüglich der Sion Kirche besteht nicht.

Nikolaus wurde von einem Engel gewarnt, dass er sich auf seiner Rückreise nach Lykien beeilen solle. Deshalb ist er in ein Schiff aus Rhodos in Ascalon gestiegen und hat nach zehn Tagen Gelidonya erreicht. Nikolaus wollte in Finike aussteigen, allerdings ist der Kapitän an den Hafen von Andriake und Üçağız vorbeigefahren um den vorhandenen Wind direkt nach Rhodos zu nutzen. Nikolaus habe an Gott gebetet und die Windrichtung geändert und der um sein Schiff besorgte Kapitän habe ihn dann in Adriake aussteigen lassen. Von hier aus ist Nikolaus zum Kloster gegangen.

Die Vita erzählt über die Unstimmigkeiten zwischen Nikolaus und seinem Bruder und interpretiert es als die Taten eines bösen Dämons. Desweiteren werden die Träume, die Nikolaus beängstigten, erzählt. In einem seiner Träume sieht Nikolaus wie sich Altar in der Kirche zur Seite fällt, die Kuppel zum Himmel emporsteigt und in den Bereich Wasser einfließt. In einem anderen Traum teilt der Erzengel Michael Nikolaus mit, dass eine Pestseuche ansteht und die erkrankten Personen sich Gott anvertrauen sollen. Alle diese Träume sind mit dem im Jahre 530 entstandenen Erdbeben und im Jahre 542 in Aegyten sich ausgebreitete Pestseuche in Verbindung zu bringen.

Aufgrund der starken Pestseuche in Myra, hatten die Bauern Angst davor ihre Ackerware in die Stadt zu bringen, so dass die Menschen in der Stadt Armut und Elend erleben mussten. Es wurde gemunkelt, dass Nikolaus der Grund dafür sei. Deshalb hatte der Oberbischof und Stadtführer zwei Pfarrer zu ihm geschickt um ihn in Ketten nach Myra zu führen. Das Volk von Tragalassos hörten dies und haben um Nikolaus zu retten sich im Kloster versammelt.

Nikolaus ist, vielleicht um sich bei den Bauern zu bedanken, vielleicht aber auch um der Seuche ein Ende zu bringen, nach Tragalassos gegangen und hat zwei Ochsen geopfert. Von hier aus ist er nach Akalissos in das Heilige John Kloster gereist und hat einen der letzten Oberpfarrer Sabbatios, seines Onkels Nikolaus und Leo’s Gab besucht und hat alle in der Umgebung vorhandenen heiligen Kirchen besucht und hat 16 Ochsen geopfert. Desweiteren hat er den Heiligen George in Plenion besucht.

Zwei Jahre später hat Nikolaus eine zweite Reise von 25 Tagen angetreten. Er hat 10 Kirchen besucht, bei denen er wieder Ochsenopfer brachte. Die besuchten Kirchen sind wie folgt: die Heilige Gabriel in Karakabo, die Heilige Theodore in Kausai, die heilige Erzengel in Kome, die Heilige Apphianos in Partaessos, die Erzengel und heilige Demetrios in Serine, die Jungfrau Maria in Kastellon, die heilige Nikolaus in Kastollon und die Melissa in Hemalissoi und von hier aus wieder zurück zur heiligen Sion.

Bei einem Mal hat Nikolaus auf seinem Weg vom Kloster nach Myra seinen Weg nach Kastollan geändert und hat bei der Heiligen Daniel Kirche in Sabandos gesehen, dass die Kirche kurz vorm Einsturz stand. Nikolaus hat sofort einen Bauexperten und eine Priester aus Damasei gerufen und für die Renovierung 801/2 Münzen gezahlt.

Später hat der Oberbischof von Myra Nikolaus nach Pinarai eine westliche Stadt von Lykien, als Bischof versetzt. Die heilige Jungfrau Maria sein Nikolaus erschienen und habe von ihm verlangt eine Kirche für sie zu errichten, allerdings haben die dortigen Ämter sich dagegen gewährt. Zu guter Letzt hat nach einigen rechtlichen Verhandlungen Nikolaus das Landstück erkauft und die Theotokos Kirche erreichtet und ist danach in sein Kloster zurückgekehrt.

Nikolaus hat an den Feierlichkeiten für den heiligen St. Nikolaus (Weihnachtsmann) in Myra teilgenommen, allerdings nach seiner Rückreise erkrankte er und verstarb im 38. Jahr des Herrschers Justinyen, am 10. Dezember 564 im Kloster. Der Oberbischof Philip hat die Beerdigung geführt und beerdigte den Heiligen in seiner eigenen heiligen Kirch Sion im rechten Bereich.

Die Wunder des Heiligen Nikolaus

Wie bei allen Heiligen, glaubt man auch bei Nikolaus daran, dass er Wunder vollbrachte. Er war berühmt, und soweit man nachvollziehen kann, gab es eine Masse an Menschen die ihn aufsuchten. Bereits als Kind und auch im Sterbebett soll er noch Wunder vollbracht haben. Die meisten Wunder handeln von Heilung oder der Vertreibung des Bösen. Bei anderen Wundern handelt es von verheirateten Paaren, die keine Kinder bekommen können. Desweiteren habe er bei Festlichkeiten das Speis und Trank so vermehrt, dass es für alle reichte. Bei all diesen Wundern ist die Verbindung zu Jesus und seinen Gefährten klar nachzuvollziehen. Die interessantesten Wunder sind die sich im ländlichen Gebiet verwirklicht haben.

Wie folgt werden vier Wunder von ihm erzählt:

Eines Tages kamen ein paar Männer aus dem Dorf Plakoma zu dem Sion Kloster um Hilfe von Nikolaus bezüglich eines bösen Geistes zu erhalten, der sich an einem heiligen Baum befände und das Dorfvolk und die Ernte vernichtete. Ein Mann der versucht habe den Baum abzusägen, verstarb dabei. 300 Personen haben ihm dabei beobachtet wie er versucht habe den Baum abzusägen, keiner aber habe ihm geholfen. Nikolaus habe mit dem Zeichen eines Kreuzes sieben Mal gegen den Baum geklopft. Der Baum habe die Personen im Umfeld erschreckt und sei danach umgefallen. Somit sei der böse Geist entwischen. Nikolaus habe den Arbeitern in Myra Bescheid gegeben um den Baum in seine Teile zu zerlegen. Allerdings habe die immense Größe des Baums die Männer zurückgehalten. Zu guter Letzt wurde der Baum von 5 Männern aus Karkabo zerlegt und das Holz wurde ist Kloster gebracht.

Das Arnabanda Volk sandte einen Priester zum Nikolaus nach Sion, wegen einer matschigen und nicht mehr trinkbaren Wasserquelle. Nach einem Gottesdienst in der  Kirche wurde die Quelle, die sich im Kaisar Berg befindet, beobachtet. Später hat Nikolaus den Ort festgelegt und die Arbeiter haben dort gebuddelt. Wie erwartet fand man dort eine klare Wasserquelle.

Ein Paar aus Arneai hat, obwohl sie seit Jahren versuchten mit Maissamen Ernte zu erlangen, keinen Erfolg und hat Nikolaus um Hilfe gebeten. Durch Nikolaus habe sich die Ernte im nächsten Jahr um ein fünffaches vermehrt.

Nikolaus habe während der Bauarbeiten‘ vor der Apsis‘ die Arbeiter bei dem Steinbruch freigegeben und sich auf den Weg zu den Heiligen Stätten begeben. Sein Bruder Artemas, der die Arbeiten fortführen wollte, hat die Arbeiter erst nach Arneai geschickt um die Steine die zerlegt werden sollen, herbeizubringen. Die Arbeiter haben versucht den immens großen Steinblock von der Stelle zu bewegen, allerdings konnte der Brocken trotz 75 Personen nicht von der Stelle gerückt werden. Als Nikolaus zurückkam hat er mit seiner 12 Mann Begleitung ohne Mühe den Stein von der Stelle bewegt.

Eine Geschichte ist aufgrund der Namensgebung der  Orte und somit zur Wiedererkennung der Kirchen und Dörfer sehr wertvoll. Desweiteren wird in der Geschichte die Schwierigkeit ohne sauberes Wasser auszukommen, die Wertlosigkeit von steinigen Ebenen und die harte Arbeit beim Bau einer Kirche und der Bauern erzählt. Trotz alledem haben die Bauern und Arbeiter im ländlichen Gebiet genügend Nahrung gehabt, um die Stadt Myra und deren Priester, die Förster und die Baumeister zu versorgen.