MYRA

Myra befindet sich westlich von der Antalya Küste und südlich der Teke Halbinsel. Die Stadt wurde auf das durch Schwemmland des östlich gelegenen Myros (Demre) Baches entstandene Delta errichtet. Das durch den Bach entstandene Schwemmland hat später auch das Ende der Stadt gebracht. Ausgrabungsarbeiten und geomorphologische Forschungen haben ergeben, dass sich unter dem modernen Demre eine Vielzahl von vorhandenen Ruinen befindet. Prof. Dr. Nevzat ÇEVİK teilte mit, dass genauso wie unter den Lavadecke von Pompei, ebenfalls unter dem hohen Schwemmland eine große Stadt vergraben liegt.

Die Geschichte der Stadt Myra fängt mit der lykischen Geschichte im 3.Jahrtausend vor Christus an. Den Namen hat die Stadt, so vermutet man, aufgrund seines berühmten Myra Öls (Myrrhe), das aus der Myrte (commiphoramyrrha) gewonnen wurde, erhalten. Einer Sage zu folge, ist der Gott Adonis aus der Schale der Myrtenpflanze geboren. Bei den Ausgrabungen in Myra fand man Myrrhe-Öl Flaschen, Myrrhe Ölung und Aufbewahrungsräume, Myrrhe- Öl Werkstätten, was wieder die Namensherkunft von der Myrtenpflanze nahelegt.

Einer Sage zufolge soll Myrrha, die Tochter des Zypernkönigs Kinyras sich aufgrund der Bestrafung der Götter sich in ihren Vater verliebt haben und sich heimlich in seine Arme begeben, woraufhin die Götter sie kurz vor der Ermordung des Vaters retten und sie in einen Myrtenstrauch verwandeln. Allerdings ist Myrhha schwanger und gebärt Adonis nach der Verwandlung zu einem Strauch aus der Schale der Pflanze.

Die Stadt Myra ist einer der 6 großen Mitglieder des Lykischen Bandes, welches in der hellenistischen Zeit gegründet wurde. Mit dieser Besonderheit ist sie zusammen mit Mittel Lykien die einzige Stadt die 3 Wahlrechte besitzt. Diese Stadt hat Anfang des 1.Jahrhunderts zusammen mit Patara, Tlos und Ksanthos den Titel Metropolis erhalten. Im Jahre 53-57 hat der Heilige Paulus bei seiner 3. Missionar Reise Lykien bereist und auch Myra besucht. Die Erdbeben in den Jahren 141 bis 240 hat wie auch die anderen Städte in Lykien Myra Spuren hinterlassen.

Seit Anfang des Christentums ist die berühmteste und wichtigste Stadt Lykiens Myra, aufgrund St. Nikolaus, der sein ganzes Leben hier verbrachte und seine Weisheiten hier entwickelte und verbreitete. In den Jahren 408-450 in der Zeit von Theodosius II., ist Myra die religiöse und politische Hauptstadt von Lykien gewesen. Ebenso ist Myra das Metropolit des Gebietes gewesen.

Da Myra eine Metropole war und im 5. Jahrhundert die Kreuzzüge stark zugenommen hatten, kam noch die Hafenstadt Andriake dazu. Das Erdbeben im Jahre 529 und die große Pestseuche im Jahre 542 haben Myra starke Spuren hinterlassen. Aufgrund der Seuche kam es als Sicherheitsmaßnahme dazu, dass der Warenverkehr von den Berggebieten in Richtung der Küstenstädte zum Stillstand gebracht wurde.

Die ab dem 7. Jahrhundert stetigen Unruhen der Araber, die öftere Überflutung des Myros Flusses und die dadurch unter Wasser bleibenden Bauten sowie die Erdbeben, waren ausreichend Grund dafür dass die Stadt an Bedeutung verlor und teilweise verlassen wurde.

Die Stadt Myra ist östlich und westlich von Nekropolen umgeben. Nach Angaben der Ausgrabungsleitung ist die Ausbreitung der Stadt ab dem Theater ein sich über 1800 Meter in Halbmondform erstreckendes Gebiet.

Die Akropolen von Myra befindet sich auf einem Hügel der Kule Tepe (Turm Hügel) genannt wird. Den südlichen Hang der Akropolen erreicht man über die hinauf führenden Treppen. Die meist gut erhaltenen Treppen aus der Antike führen zur Akropole. Den Ruinen an der Oberfläche zufolge wurde die Akropolen vom 5. Jhr.v.Chr. bis zur byzantinischen Zeit benutzt. Deren Bau bis zur hellenistischen Zeit nachzuvollziehenden Festungsmauern, haben an bestimmten Stellen Hinzufügungen und Aufbesserungen aus der byzantinischen Zeit. Aufgrund der Arabischen Überfälle wurde eine zweite Festungsmauer ebenfalls zu diesem Zeitraum aufgebaut. Im Inneren des Turms und westlich der Akropole befindet sich jeweils eine Kirche.

Die prunkvollsten Bauten in Myra sind die Felsgräber. Die im 5-4. Jhr.v. Chr. Erbauten und Myra’s Holzarchitektur imitierenden prunkvollen Gräber mit Felsenfront, sind sehr wichtige Repräsentanten des Kults der Lykischen, klassischen Zeitalters. Der in drei Bereiche unterteilte Nekropole Platz, ist mit allen religiösen und zivilen Architekturen der Stadt fließen ineinander über.  Es befinden sich Übergänge und Felstreppen, die den Weg von der Akropolen zu den Siedlungsplätzen und den Gräbern ermöglichen. Insgesamt wurden 104 Gräber festgestellt. 23 von diesen Gräbern sind beschriftet, wobei 13 von diesen mit lykischer und 10 mit griechischer Schrift beschriftet sind. Allgemein haben die Graeber nur einen Raum. 4 Gräber haben mehr als einen Raum. Auf 10 dieser Felsgraeber in Myra befinden sich 23 Reliefe bezüglich der Besonderheit und den Bräuchen bezüglich der Beisetzung.

Das Myra Theater ist im hellenistisch-römischen Stil erbaut und umfasst eine Kapazität von 11500 Personen und zählt somit zu dem größten Theater Lykiens. Das Cavea in Form eines Hufeisens hat im unteren Bereich 29, im oberen Bereich 9 Sitzreihen zur Verfügung stehen. Das Bühnengebäude ist dreistöckig und hat Verzierungen in seiner Friese von Adler, Mithras, Ganimed, Medusa, Masken und Girlanden. An einer der Türen vom Bühnengebäude befindet sich ein Kanalrohr für Wasser, was ein Zeichen dafür sein kann das auch Wasserspiele vorgeführt sein können.  Das die Sitzreihen tragenden Kappengewölbe ist ebenfalls für den Ein-und Ausgange benutzt worden. Vor der Siegesgöttin steht in einer Inschrift’’ Bringe der Stadt Glück und lasse sie immer gewinnen’’. Es gibt keine Belege bezüglich des Erbauungsdatums des Theaters. Nachdem Erdbeben 114 und dem ersten Viertel im 3. Jahrhundert wurde es restauriert.

Die antike Stadt Myra hat ihr Wasserbedürfnis  über den aus dem 4.Jhr.v.Chr. stammenden Wasserkanal, der vom Dereağzı Bach bis Demre führte und über insbesondere in Andriake vorhandenen Zisternen gestillt. An der nördlichen Lichtung der Çayağzı Kreuzung befindet sich an der Quelle des Andriakos Bachs ein bau, das aus dem 2. Oder 3. Jahrhundert stammt. Dieser Bereich wurde als heilige Quellenstelle benannt. Ob es sich bei diesem Bau um ein Hammam oder ein Nymphaion (Brunnen) gehandelt hat, wird erst nach Fertigstellung der Ausgrabungsarbeiten möglich sein. Allerding vermutet man mit den jetzigen vorhandenen Fundstücken, dass es sich um ein Thermalgebauede gehandelt hatte, da das Schwefelwasser aus des Andriakos Bach bei Hautkrankheiten eine gute Heilung zeigte.

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